Second Bandshirt
Donnerstag, 13 September, 2018

Zu Besuch bei einem Projekt von Hope for Nepal vor Ort

Ihr habt im letzten Jahr bei uns im Shop ein Shirt gekauft und euch entschieden den Erlös (oder einen Anteil) an Hope for Nepal zu spenden und möchtet gerne wissen, was mit dem Geld vor Ort geschieht?
Wir haben ja bereits berichtet, dass wir 1000€ durch Hope for Nepal an eine kleines “Rehabilitationsprojekt” senden konnten. Da uns Transparenz wichtig ist, folgt nun ein persönlicher Erfahrungsbericht und Eindrücke von Menschen, die komplett im Stich gelassen wurden.
Ich bin am Freitag im Norden von Kathmandu bei der Nepal Healthcare Equipment Development Foundation (NHEDF) zu Besuch gewesen und hab mir von Samrat, der all sein Herz, Geld und Zeit in das Projekt investiert, die Örtlichkeiten zeigen lassen. Bevor nun jemand Sorge hat, dass Second Bandshirt mir die Flüge aus Spendengeldern finanziert hat,… da kann ich euch beruhigen. Ich wollte selbst gerne sehen, wie die Situation dort ist und habe den Stopp mit meiner längeren Reise verbunden.
Ich habe mich außerdem bewusst dazu entschieden hier keine krassen Fotos zu posten z.B. von dem kleinen Jungen, dessen halbes Gesicht von Krebs zerfressen ist, entzündeten Amputationswunden oder von dem anderen Jungen, der seine Mutter und Tante bei einem Hausbrand verloren hat und nun selbst von Kopf bis Fuß schwerst verbrannt ist. Ich denke nicht, dass es diese grafischen Bilder braucht, um sich das Leid der Menschen bewusst zu machen und mich selbst werden die Bilder wahrscheinlich ewig begleiten. Ansonsten bietet euch die Facebook-Seite von NHEDF Foto-updates der Patienten_innen.
Ich wünschte, ich könnte euch hier einfach nur schreiben, wie toll und wichtig dieses kleine Haus ist, in dem Menschen Zuflucht finden, die sich von großen Operationen und langwierigen Behandlungen erholen. Und das ist es auch wirklich: ein Ort voller Hoffnung und Zusammenhalt, – aber eben auch voller Leid und tragischer Schicksale. Ich musste mich sehr zusammen reißen, als mir Samrat die Leidensgeschichten einiger der aktuell Bewohnenden übersetzte und teilweise haben die Personen selber auf Englisch versucht mir zu erklären, was ihnen jeweils zugestoßen ist.
Es ist das Eine darüber informiert zu sein, was in der Welt los ist, aber eine komplett andere jemanden gegenüber zu sitzen, der alles verloren hat, dessen Gesundheit auf dem Spiel steht und für den sich niemand zuständig fühlt. Einer der jungen Männer hat beide Beine bei Arbeitsunfällen verloren, doch der Arbeitgeber zahlt nur die erste von mindestens 5 notwendigen Operationen. Ein Mädchen ist mit ihrer Familie für eine Behandlung ihres Beins mehrere Tage in die Hauptstadt (mit den einzigen größeren Krankenhäusern des Landes) angereist und dafür haben sie alles verkauft, aber haben kein Geld für eine Unterkunft über die lange Zeit der Folgebehandlungen. Die Zeit danach? – Völlig ungewiss für die nun mittellose Familie. Häufig werfen Krankenhäuser ihre Patienten_innen vor die Tür, sobald diese nicht mehr zahlen können und das unabhängig davon, wie kritisch der Gesundheitszustand ist. Auch die Versorgung der Erdbebenopfer wird nicht komplett getragen. Dazu ist das Infektionsrisiko meist höher als die Heilungschancen, sodass Operationen oft mehrfach wiederholt werden müssen. Die zwingend notwendige Physiotherapie, um wieder mobil zu sein, können sich die wenigsten leisten. Auch zu Rollstühlen oder Prothesen haben die meisten keinen Zugang.
Samrat und sein kleines Team aus Freiwilligen probieren diese Versorgungslücke ein wenig zu schließen. Dabei hat er selbst ein Haus angemietet und bietet Erkrankten und ihren Familien ein Dach über dem Kopf, etwas zu essen und auch Physiotherapie oder das sterile Wechseln von Verbänden. Eigentlich hat das Haus 15 Betten, aber nicht selten sind über 40 Personen im Haus, die schon über ein Stück Fußboden zum Schlafen froh sind. Mit den 1000€ von euch konnten einige Mietschulden beglichen werden, denn die Miete bleibt bei den vielen akuten Rechnungen oft auf der Strecke, aber sichert den Erhalt des Projekts.
Finanziert wird das ganze durch Samrat, der nebenbei noch arbeitet und einige Spenden und manchmal auch durch Ärzte_innen, die eine Behandlung kostenlos durchführen.
Warum hier alle einigermaßen gut gelaunt und nicht depressiv sind? Samrat ist sich sicher, dass es daran liegt, dass alle aufeinander achtgeben.
Das wünsche ich mir zutiefst. Wir als diejenigen, die das Glückslos in der Geburtenlotterie gezogen haben, sollten auf diejenigen, die weniger privilegiert sind, achtgeben und abgeben.
Spontane Überraschungs-Spenden sind in Nepal sicherlich auch gerne gesehen, falls euch der Bericht bewegt hat.
Wir werden das Projekt nicht aus den Augen lassen. 33040826_1380546408755740_3735924414198317056_n 33058187_1380546352089079_855758695991083008_n 33105767_1380546442089070_8771891461315624960_n